Theorie und Geschichte
Lehrveranstaltungen Master

(Screenshot from https://mcachicago.org/exhibitions/2018/otobong-nkanga)
Lektürekurs zur Architekturtheorie
KUNST UND ARCHITEKTUR IM CHTHULUCENE.
Perspektiven auf Ressourcenextraktion und Ressourcenkonsum
DozentInnen: Dr. Sarah Hegenbart, Prof. Dietrich Erben
Termin: Donnerstag, 15:00-18:15 Uhr
Beginn: 24.04.2025
Ort: Bibliothek, Gabelsbergerstr 49, IV. Stock
Seit das Anthropozän als Bezeich- nung eines neuen Erdzeitalters im Jahr 2000 ausgerufen wurde, wurde die Einflussnahme der Menschen auf die Umwelt viel diskutiert: so prägen Menschen sämtliche Sphären des Planeten und darüber hinaus. Mitt- lerweile übersteigt das Gewicht der Technosphäre, also die Masse von Gebäuden und Maschinen, dasjenige der Lebewesen. Durch den Druck von Gebäuden auf die Erdkruste droht sich die Erdachse zu verschieben. Das Bauen steckt im Dilemma, dass nach- haltig gebaut, dass aber auch immer mehr gebaut werden muss. Seit Donna Haraway im Jahr 2016 das Anthropozän aufgrund seines Fokus auf den Menschen stark kritisiert hat und stattdessen das Chthulu- cene ausgerufen hat, sind auch die Auswirkungen nichtmenschlicher Spezies auf unseren Planeten immer mehr in den Fokus gerückt.
Das Seminar nähert sich dem Thema aus den Perspektiven von Bildender Kunst und Architektur an und es soll diskutiert werden, wie in beiden Bereichen über die mit dem Anthropozän und verwand- ten Konzepten verbundenen Herausforderungen nachgedacht werden kann. Zwei Begriffe können dabei als Leitkategorien dienen: Extraktion bezeichnet die Tatsache der geophysischen und kolo- nialen Ausbeutung von materiellen Ressourcen, aber auch der gesellschaftlichen Ausbeutung von Menschen und anderen Lebewesen bedingt durch kapitalistische, asymmetrische Machtbeziehun- gen. Ressourcenkonsum bezieht sich auf den Sachverhalt, dass die Ausbeutung stets in Artefakten existiert und dass wir sie als ästhetische Form wahrnehmen – als Kunstwerke, als Häuser oder als Infrastrukturbauten.
Einzelne thematische Stichworte sind: Kunst im Zeitalter des Chthulucene; die Dezentrierung des Menschen; Dekolonialsierungsprozesse und das Reparieren kolonialer Extraktivismen, Infra- strukturen und Baustellen als Orte der Extraktion sowie das Dilemma der Nachhaltigkeit zwischen weniger und mehr.
Im Rahmen des Seminars ist eine mehrtägige Exkursion (Do.-So.) nach Brüssel und Antwerpen geplant.